Fotoprojekt: Langzeitportraits mit Menschen ab 50-70 Jahren mit Kurzinterviews

Die Langzeitportraits sind Teil des Fotoprojektes Altersbilder. Dabei werden Frauen und Männer, die zu Beginn des Projekts  zwischen 50-70 Jahre alt sind, über mehrere Jahre begleitet.

Die Antworten aus den Kurzinterviews stehen in keiner Reihenfolge zu den Fotos. Sie sind willkürlich sortiert. Der Beginn des Projekts ist Ende 2017/Anfang 2018.

Wie stellst Du Dir Dein Alter vor?

„Ich wünsche mir, dass alles so bleibt wie jetzt, aber ich weiß, es kann auch anders kommen.“
„Ich stelle mir vor, bis zum Ende in meinem Haus bleiben zu können. Mit der Freiheit körperlich und geistig fit zu sein und selbstbestimmt zu leben.“
„Als Frau mit vielen kleinen Falten, körperlich und geistig fit.“
„Gemeinsam mit meinem Mann, körperlich und geistig fit, vielleicht im betreuten Wohnen und meine Familie (Töchter, Enkel) um mich herum.“
„Ich hoffe, möglichst rüstig zu sein. Ich möchte noch viele Dinge machen, aber wenn ich mich in meinem Arbeitsbereich umschaue, weiß ich, es kann anders kommen und warum sollte es gerade bei mir nicht so sein?“
„Ich möchte fit sein und kann mir eine alternative Lebensform vorstellen wie z.B. eine Alters-WG. Ich möchte die Last und Verantwortung für mich von meinen Kindern fernhalten und sie davor beschützen.“
„Ich wünsche mir noch ein langes Leben mit meinem Mann und das wir gemeinsam vieles noch machen können was wir bisher zurück stellen mussten.“
„Ich hoffe, dass alles so bleibt wie es ist und ich schiebe den Gedanken daran, dass es anders sein kann, weg. Ich möchte nicht daran denken.“
„Aus der Selbstbestimmung in den Sarg.“
„Ich hoffe, es bleibt alles so wie es gerade ist. Realistisch sehe ich mich allerdings in der Altersarmut. Ewig weiter arbeiten müssen, um über die Runden kommen zu können… vielleicht sogar in einem anderen Land, wo man mit weniger Geld leben kann.“
„Ich bin aktiv, treibe Sport und bin offen für Neues. Deshalb hoffe ich, dass es noch lange so bleibt, wie es jetzt ist.“

Was fürchtest Du am Meisten im Alter?

„Leiden, Schmerz.“
„Eine Heimunterbringung mit all seinen Konsequenzen. Anderen, vor allem meinen Kindern, zur Last zu fallen.“
„Hilfsbedürftigkeit, auf andere angewiesen sein. Pflegebedürftigkeit. Demenz. Den Moment, ohne Hund leben zu müssen. Einsamkeit.“
„Den Verlust der Freiheit, der Selbstbestimmtheit und abhängig zu werden durch körperliche und geistige Einschränkungen.“
„Pflegebedürftigkeit und damit verbundene körperliche und geistige Abhängigkeit, sowie den Verlust der Intimsphäre.“
„Ein unwürdiges Dasein durch Abhängigkeit. Verlust der Würde. Demenz.“
„Ich fürchte nicht das „alt werden“ als solches oder die damit verbundene Hilflosigkeit. Ich blende es aus. Doch wenn ich darüber nachdenke, gibt es da den Moment, in dem ich traurig werde, weil ich das Alles hier zurücklassen muss (mein Leben, meine Familie).“
„Hilfsbedürftigkeit, auf andere angewiesen sein. Demenz.“
„Ich habe im Moment keine Ängste.“
„Wenn ich nicht mehr Fußballspielen kann, wäre das für mich schrecklich. Ich mache das seit meinem 6.Lebensjahr und es gibt mir immer wieder sehr viel. Einmal die körperliche Fitness, aber auch das Ab- und Umschalten von Gedanken im Kopf und die soziale Seite des Miteinander bei diesem Sport.“
„Die Altersarmut.“
„Sprachlosigkeit, Demenz, Verlust der Selbstbestimmung.“

Wie wirst Du mit dem ”Unerwünschten“ umgehen?

„Wenn Du es nicht bekämpfen kannst, verbrüdere Dich.“

„Das weiß ich nicht. Ich hoffe, dass ich annehmen kann, was auf mich zukommt. Oder dass ich einen Weg finde, dem Unangenehmen zu entgehen. Ich trage mich mit dem Gedanken, „Dignitas“ beizutreten.“
„Frühzeitig gute Hilfe organisieren. Die Kinder möglichst aus der Pflege ganz heraushalten.“
„Ich versuche bisher, dem entgegenzuwirken, indem ich Sport mache. Ich gehe regelmäßig zum Fitnesssport und dann habe ich die Musik. Die Musik beansprucht und fordert mich auch geistig sehr und ich hoffe, damit kann ich die geistige Fitness unterstützen.“
„Ich verdränge die Gedanken daran. Ich habe mir fest vorgenommen, dass ich niemals in diese Situationen komme. Daran glaube ich und dafür werde ich alles tun.“
„Ich denke schon darüber nach und führe Gespräche darüber.“
„Irgendwie geht es immer weiter.“
„Ich weiß es noch nicht. Ich hoffe, ich werde rechtzeitig alles Nötige dazu veranlassen. Man verdrängt es ja gerne und plötzlich kann es zu spät sein. Ich möchte meine Kinder aus der Verantwortung für meine Versorgung heraushalten.“
„Daran denke ich nicht. Ich mache da die ”Vogel Strauß-Taktik“.“
„Keine Ahnung. Ich bin kein Held. Ich weiß nicht, wie ich letztendlich mit der Situation umgehen werde.“

Machst Du Sport und/oder hast Du Hobbys?

„Ich tanze, gehe möglichst viel zu Fuß, liebe Märchen und erzähle diese, Schreibe, Reise, Lese gerne.“
„Ich mache Fitnesssport drei Mal die Woche, beschäftige mich sehr intensiv mit Musik, spiele ein Instrument , mein Hund“
„Ich spiele Fussball im Verein, zwei bis drei Mal die Woche.“
„Ich habe mehrere Hunde, die mich in Bewegung halten und einen großen Garten mit weiteren Tieren.“
„Spazieren gehen, Ehrenamt, Karten spielen, Reisen.“
„Malerei, Kunst, Garten, Naturschutz, Fotografie, Outdoor, Lesen, Kochen, Backen.“
„Kampfsport, Mountain Bike fahren, Billard, Filme, Orgelmusik, Kulinarisches Genießen.“
„Ich gehe regelmäßig ins Fitness-Studio und täglich eine Stunde Spazieren. Gern fahre ich auch in die Schwimmhalle.
Meine Kartenrunden (Doppelkopf) machen viel Spaß. Ich bin ehrenamtlich bei einer Zeitung tätig. Außerdem habe ich die halbe Welt bereist und habe noch viele neue Ziele.“
„Ich habe einen Hund, mit dem ich täglich unterwegs bin. Die Fotografie.“

Merkst Du Dein Alter schon?

„Ja, seit 10 Jahren. Ich bin öfter müde und kann auch mal am Mittag schlafen. Die erste Lesebrille liegt noch unbenutzt in der Schublade“.
„Die Regenerationsphasen werden länger.“
„Ja, ich habe nicht mehr die Energie von früher, die Erholungsphasen sind länger und es tut überall mal weh.“
„Ja, es geht nicht mehr so schnell wie früher. Ich brauche Pausen zur Erholung.“
„Ja, die Belastbarkeit nimmt ab. Die Ruhephasen werden immer länger.“
„Ja, ich bin fit, aber Jüngere sind deutlich fitter.“
„Ja, die Elastizität und Festigkeit des Körpers verändert sich. Vorhandene Schwachstellen, z.B. die Bandscheiben, verstärken sich.“
„Ja, es kostet mich mehr Kraft und die Erholungsphasen werden länger.“
„Ja, es geht alles etwas langsamer. Ich bin nicht mehr so leistungsfähig wie in früheren Jahren.“
„Ja“
„Ja, in den Knochen., z.B. Kalk in der Schulter. Die langen Erholungsphasen.“
„Ja, es gibt schon Einschränkungen. Ich überlege mir schon: Machst Du heute Fitness und hast Schmerzen oder gehst Du lieber mit dem Hund?“

Alter und „Weisheit“? „Lebenserfahrung“? Gibt es das? Merkst Du davon etwas?

„Man macht seine Erfahrungen, wird gelassener, trifft seine Entscheidungen aufgrund von Erfahrungen nun anders, und ich empfinde eine Dankbarkeit für Alles, was mich hier und jetzt leben lässt.“
„Ja, man wird vor Allem gelassener und kann zuschauen, wie andere ihre eigenen Erfahrungen machen.“
„Ja, das glaube ich. Ich habe so viele Erfahrungen gemacht und heute kann ich diese Erfahrungen umsetzen, bzw., mich damit auseinandersetzen und das macht eine ganz andere Sicht auf Dinge möglich. Das hätte ich früher nicht gekonnt.“
„Ja, man hat so viele Erfahrungen gemacht. ich reagiere heute viel gelassener und ganz anders als früher.“
Ja, in dem Sinne, dass man seine Erfahrungen macht. Man wird gelassener und ruhiger.“
”Weise nicht, aber ich habe Erfahrungen gemacht, die ich gerne weitergebe. Man wird auch gelassener und kann Dinge geschehen lassen.“
„Auf alle Fälle wird man gelassener und ruhiger.“
„Man wird nachsichtiger und gelassener und ich empfinde eine tiefe Zufriedenheit in meinem Leben.“
„Ich bin nachsichtiger und gelassener. Häufig spüre ich eine wohltuende Zufriedenheit.“
„Ja, man ist abgeklärter und wesentlich gelassener. Und man erkennt Zusammenhänge und Muster in der Welt.“
„Ich würde es als ”Lebensklugheit“ bezeichnen, allerdings auch nicht bei allen Menschen. Es gibt im Alter auch oft den Altersstarrsinn und die ”Unveränderbarkeit“.“

Andre

Teilnehmer*innen
8. Oktober 2023
Andre

Gaby

Teilnehmer*innen
8. Oktober 2023
Gaby

Rolf

Teilnehmer*innen
8. Oktober 2023
Rolf

Ingrid

Teilnehmer*innen
7. Oktober 2023
Ingrid

Britta

Teilnehmer*innen
7. Oktober 2023
Britta

Jens

Teilnehmer*innen
6. Oktober 2023
Jens

Maria

Teilnehmer*innen
6. Oktober 2023
Maria

2024 -Sieben Jahre später

Im Vordergrund stehen neben ganz persönlichen Wünschen bei allen der Erhalt der Beweglichkeit, geistig und körperlich. Alle wissen um die notwendige Fürsorge für ihren Geist und ihren Körper und sind sportlich in verschiedensten Bereichen aktiv. Die „jüngeren“ ( 50-65 Jahre) Menschen stehen noch voll im Berufsleben, das „Alter“ und der „Austritt aus dem Berufsleben“ sind noch weit entfernt. In Gesprächen stehen immer noch die aktuellen Themen wie Arbeit, Berufswechsel und persönliche Veränderungen im Vordergrund. Die Menschen ab 65 Jahren sind zum Teil auch noch berufstätig oder arbeiten selbstständig. Die Gründe dafür sind vielschichtig. Zum einen sind da die finanziellen Aspekte, nicht jede Rente ist ausreichend für das Leben „nach der Arbeit“. Zum anderen werden Hobbys und Nebenjobs aus dem Berufsleben in das Rentenleben mitgenommen und geben einen neuen Sinn in dem eigentlich „arbeitsfreien“ Leben. 

Ab 2019 bremst Corona erst einmal alle Aktivitäten mehr oder weniger aus.Plötzlich gelten (alte) Menschen als hohe Risikogruppe. Für die älteren Menschen (über 70 Jahre) kommt es durch Corona nicht nur zu Einschränkungen im gesamten sozialen Miteinander, sondern es vergehen auch wertvolle Jahre, die für Ziele, wie zum Beispiel Fernreisen oder die Erfüllung lang gehegter Wünsche vorbehalten waren. Noch fühlt man sich fit, aber wie wird es sein, wenn Corona vorbei ist? Was bleibt? Diese Zeit kann nicht einfach auf später verschoben werden. Es ist eine Zeit, die den älteren Menschen verloren geht. Zudem werden ältere Menschen erstmals öffentlich damit konfrontiert „alt“ zu sein, obwohl viele körperlich und geistig völlig fit sind. Der damit wohlgemeinte „Schutz der Alten“ und der Verlust der Selbstbestimmung (Bewohner/innen von Alten- und Pflegeheimen haben keine Kontaktmöglichkeiten zu Angehörigen) hinterlässt ein ungutes Gefühl. Nicht jeder fühlt sich trotz seines kalendarischen Alters dieser Gruppe zugehörig.

Das Leben der Teilnehmer*innen ist bunt und lässt sich in keine Schublade stecken. Es wird gelebt, geheiratet, sich getrennt, neue Beziehungen entstehen und manchmal überschattet auch Krankheit das Leben und ändert von heute auf morgen den Kurs. Ein Teilnehmer verstirbt nach Krankheit.

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