Neben den Portraitaufnahmen laden Interviewzitate dazu ein, die Menschen hinter den Bildern kennenzulernen – mit ihrer Lebenserfahrung, ihren Wünschen und Zweifeln. Im Vergleich der „Doppelportraits“ aus verschiedenen Jahren wird sichtbar, wie sich nicht nur das Äußere, sondern auch der Blick auf das Leben verändert.

Claudia

Die ersten Interviews

Wie stellst Du Dir Dein Alter vor?

Viele Hoffen auf ein selbstbestimmtes Leben – geistig und körperlich fit, eingebunden in Familie oder alternative Wohnformen wie zum Beispiel eine Alters-WG.

Andere sprechen offen über Unsicherheiten und Zukunftsängste – etwa vor Altersarmut oder dem Verlust der Autonomie.

Ich wünsche mir, dass alles so bleibt wie jetzt, realistisch weiß ich aber, dass es ganz anders kommen kann

Ich wünsche mir ein langes Leben mit meinem Mann und die Zeit, Dinge gemeinsam zu erleben, die wir bisher nicht machen konnten.

Aus der Selbstbestimmung in den Sarg

Realistisch sehe ich mich allerdings in der Altersarmut. Ewig arbeiten um zu überleben!

Bis zum Schluss in meinem Haus zu sein, frei und selbstbestimmt.

Ich möchte die Last und die Verantwortung für mich von meinen Kindern fernhalten und sie davor beschützen

Gaby

Jens

Was fürchtest Du am meisten im Alter?

Die Ängste kreisen vor allem um Verlust von Selbstbestimmung, Pflegebedürftigkeit, Demenz und Einsamkeit.

Verlust der Würde

Eine Heimunterbringung mit allen Konsequenzen und anderen zur Last zu fallen.

Leiden und Schmerz, Pflegebedürftigkeit

Den Verlust von Freiheit und Selbstbestimmung

Demenz

Rolf

Wie wirst Du mit dem Unerwünschten umgehen?

Die Strategien reichen von bewusster Verdrängung bis hin zur aktiven Vorbereitung, etwa durch Gespräche, Sport zum Fitbleiben, Mitgliedschaft in Sterbehilfsorganisationen.

Ich hoffe, ich kann annehmen, was auf mich zukommt.

Frühzeitig gute Hilfe organisieren

Wenn Du es nicht bekämpfen kannst, dann verbrüdere Dich.

Ich verdränge diesen Gedanken. Ich habe mir fest vorgenommen, nicht in diese Situation zu kommen. Dafür tue ich alles.

Irgendwie geht es immer weiter.

Keien Ahnung, ich bin kein Held. Ich weiß nicht , wie ich letztendlich damit umgehen werde.

Britta

Ingrid

Sport und Hobbys – In Bewegung bleiben – Körperlich und geistig

Fast alle Teilnehmer*innen sind sportlich aktiv oder engagieren sich in kreativen oder sozialen Bereichen – vom Tanzen über Fotografie, Gartenarbeit, Malerei bis hin zum Fussball im Verein.

Ich mache Fitnesssport, spiele ein Instrument und beschäftige mich mit Musik

Ich habe mehrere Hunde, die mich in Bewegung halten

Ich bin ehrenamtlich bei einer Zeitung tätig

Ich tanze, schreibe, lese und reise viel

Kampfsport, Mountain-Bike fahren, Billard, Kulinarisches Genießen

Ich spiele Fussball im Verein

Andre´

Merkst Du Dein Alter schon?

Viele berichten von abnehmender Energie, längeren Regenerationsphasen oder körperlichen Einschränkungen.

Ich bin fit, aber die jüngeren sind deutlich fitter

Die erste Lesebrille liegt noch unbenutzt in der Schublade

Ja, ich merke es in den Knochen und Gelenken

Ja, ich überlege mir schon: Machst Du heute Sport oder gehst Du lieber mit dem Hund?

Maria

Alter und Weisheit – Gibt es das?

Hier zeigt sich ein klarer Konsens: Ja, es gibt sie – aber eher als Form der „Lebensklugheit“.
Viele fühlen sich gelassener, dankbarer, reflektierter als früher – und teilen diese Erfahrungen gerne.

Man macht seine Erfahrungen, wird gelassener und trifft seine Entscheidungen aufgrund von gemachten Erfahrungen nun anders

Ich würde es als Lebensklugheit bezeichnen, allerdings auch nicht bei allen Menschen. Es gibt ja auch den „Altersstarrsinn“ und die „Unveränderbarkeit“

Ja, man hat so viele Erfahrungen gemacht und kann diese heute ganz anders umsetzen, bzw. sich damit auseinandersetzen. Das verändert die Sicht auf viele Dinge

Man wird nachsichtiger und gelassener

Brigitte

2023/24 – fünf Jahre später

Inzwischen sind seit dem Start des Projekts fünf Jahre vergangen. Unvorhersehbares trat ein: Eine Teilnehmerin stieg aus Zeitgründen aus dem Projekt aus. Ein anderer Teilnehmer verstarb. 2019 kam die Corona-Pandemie.
Die Corona-Pandemie bedeutete für viele alte und ältere Menschen mehr als Isolation – sie hat ihnen wertvolle Lebenszeit genommen. Keine Reisen, keine Umarmungen, kein gemeinsames Erleben. Zeit, die nicht nachgeholt werden kann.

Bei dem Fotoprojekt zeigt sich nach fünf Jahren zwischen den jüngeren und den älteren Teilnehmer*innen eine unterschiedliche Entwicklung. Sind die älteren eher entspannt, gelassen und sich der Freiheit ihres Ruhestandes bewusst und genießen die Tage und das, was da kommt, sind die jüngeren noch völlig im Alltag/Berufsleben eingebunden und Müdigkeit, Abgespanntheit und Stress bestimmen zum Teil das Leben. Kaum eine*r denkt an den bevorstehenden Ruhestand und wie er sich darauf eventuell vorbereiten könnte. Ausnahmen gibt es auch hier.

Trotzdem ist das Leben weiterhin bunt. Es wurde geheiratet, sich getrennt, neue Berufswege eingeschlagen und Lebensträume haben sich erfüllt. Aber auch Krankheit veränderte das Familienleben und die Perspektiven. Der Tod von Freunden wirft Fragen auf. Erstmals stehen Fragen und Zweifel im Raum, ob es mit dem eigenen Leben im Alter wirklich alles so sein wird wie man es sich vorstellt oder wünscht. Erfahrungen und Erlebnisse durch Krankheit und Tod von Freunden und Verwandten lassen auf die Endlichkeit des eigenen Lebens blicken.


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